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Australien-Panorama

Aborigines

Traumzeit

Kangaroos - by Colin Atkins
Kangaroos
© Colin Atkins

In vielen Jahrtausenden wuchs die Verbundenheit der Aborigines mit ihrem Land. Aus der Traumzeit (Dreamtime), auch Altjeringa-, Tjurkurrpa- oder Palaneri-Zeit genannt, entstanden ihre Gebräuche, Riten und übersinnlichen Glaubensvorstellungen. Sie markiert den Schöpfungsmythos, der vor vielen Millionen Jahren den Anfang der Zeit bestimmte. Diese Schöpfungszeit symbolisiert, dass für die Ureinwohner jegliches Leben Teil eines Systems ist, in dem alle Einzelheiten miteinander in Verbindung stehen. Alles, Tiere, Menschen und das Land waren ein Teil der endlosen Traumzeit als es keinen Unterschied gab zwischen Menschen, Tieren und spirituellen Wesen. Es war zu dieser Zeit als die Erde und alles was es darauf gibt erschaffen bzw. erträumt wurde von diesen spirituellen Wesen oder auch totemische Vorfahren genannt. Ihre Taten sind ein Teil des Lebens, so wie Menschen ein Teil von Tieren sind und Tiere ein Teil von Menschen sind.

In dieser Traumzeit erträumte man die Verwandtschaft von allen Dingen zueinander; Menschen, Tiere, Natur, Stämme, Gesetze, Herkunft, Kunst etc. Aus dieser Verwandtschaft entstanden Stämme, Gesetze, Rituale, Kunst oder kurz die Kultur. Diese Kultur der Aborigines ist die älteste durchgehende Kultur der Weltgeschichte. Ihre Felsritzungen und -malereien sind bis zu 50.000 Jahre alt (zum Vergleich: die ägyptischen Pyramiden entstanden vor gut 4.500 Jahren). Die Geschichten der Traumzeit wurden von Generation zu Generation durch Sprache, Gesang und Tanz weitergegeben.

Die Tänze der Aborigines sind berühmt. Sie dienten der Weitergabe mythologischen und spirituellen Wissens, erzählten auf pantomimische Art und Weise von den Abenteuern der Traumzeit-Wesen, von der Jagd oder der Fruchtbarkeit und Erotik. Zu bestimmten Anlässen konnten diese Tänze mehrere Tage und Nächte dauern. Durch ihren erzählerischen Charakter entwickelten sich diese Zyklen zu theatralischen Darbietungen mit ausgefeilter Dramaturgie. Anlässlich der "corroborees", solcher Tanzversammlungen, bemalten die Männer ihren Körper und ahmten in ihren Tänzen bestimmte Tiere oder das Spiel der Naturgewalten nach. Begleitet wurden die Tänze stets mit rituellen Gesängen und rhythmischer Musik, die vor allem mittels Holzstöcken und aneinandergeschlagenen Bumerangs, zum Teil auch mit Trommelinstrumenten, wie der bis zu zwei Meter langen Urbar-Baumtrommel, erzeugt wurde.

Bei diesen Tanzveranstaltungen und in Ritualen zur Heilung von Kranken kam außerdem das wohl bekannteste Instrument der Aborigines zum Einsatz: das Didjeridoo, eine lange, hölzerne, aus einem hohlen Ast hergestellte Basspfeife. Sie symbolisiert die männliche Energie, weshalb es Frauen verboten ist, darauf zu spielen. Für die Aborigines ist das Didjeridoo aber in Wirklichkeit eine Gottheit in und durch sich selbst, das erigierte Glied eines Ahnen, und es bestehen strenge, in Gesangsstrophen verschlüsselte Anweisungen, die gesungen werden sollen, wenn es angefertigt oder gespielt wird.

Das Land ist für die Ureinwohner der Mittelpunkt des Universums und im Auftrag der Vorfahren und Urzeitgeister verwalten sie dieses. Zauber und Magie sind und waren Teil des Glaubens der Aborigines. Die Magie diente beispielsweise dazu, mehr Nahrung zu finden, Kranke zu heilen oder Kriminelle zu bestrafen. Einer der befürchtetsten Zauber war das Pointing the bone, bei dem der Medizinmann einen angespitzten Knochen auf den zu bestrafenden richtete. Das Opfer glaubte tatsächlich, vom Knochen durchbohrt zu werden und starb. In nach traditionellen Bräuchen lebenden Stämmen wird noch heute darüber abgestimmt, ob z.B. ein Dieb nach Weißem Gesetz oder Stammesgesetzen (Tribal Law) bestraft wird. Dies wird von weißen Gerichten teilweise geduldet. Wissend, dass bestimmte Stämme ihre eigenen Strafen aussprechen, verurteilen sie die Übeltäter nur zu geringen Strafen. Die Strafzeremonien sind Teil einer Aboriginesbewegung, die wieder zu traditionellen Lebensweisen zurückkehrt.

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Aktualisiert am 26.11.2004