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Australien-Panorama

Australien Wirtschaft

Von 1929 bis 1933 litt Australien unter der Weltwirtschaftskrise. Die Abhängigkeit von Weizen- und Wollexporten begann sich zu rächen. Als die Preise weltweit nachgaben, stieg die Arbeitslosigkeit und besonders Haushalte mit niedrigen Einkommen kamen in Existenznöte.

Industrie Die Industrie konzentrierte sich von Beginn der Kolonialzeit an in den Hauptstädten Australiens. Die Ballung industrieller Arbeitsplätze erreichte in den Verdichtungsgebieten ihren Höhepunkt in den Jahren 1971/1972. In diesen Jahren waren 87,7% aller industrieller Arbeitsplätze von Westaustralien in Perth, 85,4% von Victoria in Melbourne, 82,9% von Südaustralien in Adelaide und 76,4% von Neusüdwales in Sydney. Wesentlicher Träger dieser Entwicklung waren die europäischen Einwanderer, ihr Anteil an der Beschäftigung in Handwerk und Industrie ist überproportional. Bis 1960 konnte die Quote der Erwerbstätigen im gewerblich-industriellen Bereich auf ca. 29% gesteigert werden.

In den 70er Jahren verlagerten sich die Investitionen auf den Bergbausektor. Nur multinationale Konzerne konnten die Risikofaktoren einer Erschließung in weit abgelegenen, klimatisch ungünstigen Gebieten und die Gefahr starker Abhängigkeit von den Weltmarktpreisen übernehmen. Es kam zu einem Rohstoffboom, Australien lag schon 1980 weltweit an erster Stelle bei Export von Eisenerz, Blei und Bauxit (Tonerde), an zweiter Stelle bei Steinkohle und Wolfram und an dritter Stelle bei Zink. Zudem ist Australien viertgrößter Goldproduzent der Erde.

Die Rezession der 80er Jahre traf Australiens Wirtschaft hart. Durch den weltweiten Preisverfall wurden viele Arbeitsplätze im gewerblich-industriellen Bereich abgebaut, so das ihr Anteil 1980 auf 21% zurückging (Arbeitslosenrate 11%). Auch der Bergbau brachte nicht genügend neue Beschäftigungsmöglichkeiten, da Abbau und Export hochtechnisiert und von immer weniger Arbeitskräften durchgeführt werden. Ebenfalls zu einem markanten Rückgang von Arbeitsplätzen kam es in der Landwirtschaft.

Um auf dem Weltmarkt konkurrieren zu können, gab es Betriebszusammenlegungen und die teure menschliche Arbeitskraft wurde durch Maschinen ersetzt. Aus diesem Grund sank der Anteil der landwirtschaftlichen Erwerbspersonen von 13% (1960) auf 6% (1980). Dennoch war Australien 1980 Spitzenreiter beim Export von Rindfleisch und Wolle, an zweiter Stelle stand es beim Export von Schaffleisch und an dritter Stelle bei der Ausfuhr von Weizen und Zucker.

Die 90er Jahre waren von einer Konsolidierung und Öffnung der Wirtschaft geprägt. Maßgeblichen Anteil daran hatte die Labour-Regierung unter Paul Keaton, die eine breite Privatisierungsoffensive staatlicher Betriebe durchgesetzt hat. Die Kooperation mit den südostasiatischen und südpazifischen Staaten wurde durch die Mitgliedschaft und Stärkung der APEC enorm gestärkt.

In den 2000er Jahren stand die Externer Link Wirtschaft auf recht soliden Beinen. Australien schaute auf viele Wachstumsjahre zurück: Die Weltwirtschaftskrise konnte das Land recht gut verkraften, es reagierte jedoch schon darauf, nicht zuletzt machte sich das auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Trotzdem blieb die Arbeitslosigkeit überschaubar. In einigen Branchen und Berufen herrscht sogar Arbeitskräftemangel. So beispielsweise beim Krankenpflegepersonal, aber auch bei Lehrern und Ingenieuren. Da Australien nach wie vor das Land der Sehnsüchte für Auswanderungswillige ist, haben vielleicht diejenigen eine Chance, die solche Jobs bedienen können.

Bei den Exportgütern steht derzeit die Kohle an erster Stelle, mit einem Anteil am Gesamtexport von 12%, vor allem aus den großen Tagebaugebieten im zentralen Queensland. Auch die Abbaugebiete in Neusüdwales (Hunter Valley) dienen nicht nur zur Versorgung der australischen Eisenerzverhüttung und Energiegewinnung, sondern sie fördern auch die Exportrate. An zweiter Stelle liegt die Ausfuhr von Gold mit einem Anteil von 7%, gefolgt von Wolle mit 6%, Eisenerz (aus den großen Abbaugebieten in der Pilbara-Region, Westaustralien) mit 5% und Aluminiumoxid (Tonerde) mit 4%.

Aber auch die Landwirtschaft steht ganz vorne. Circa 80% aller landwirtschaftlichen Erzeugnisse gelangen in den Export. Dabei kann Ackerbau und Landwirtschaft wegen der klimatischen Bedingungen meist nur an den Küsten betrieben werden. Im Südosten befinden sich Externer Link Weinbaugebiete. Aber der Hauptanteil der Landwirtschaft liegt in der Viehhaltung. Eines der wichtigen Exportgüter war und ist die Wolle. Etwa 25% der weltweit verwendeten Wolle stammt aus Australien. Schafe zu züchten und die Wolle zu verkaufen ist immer noch ein Traum vieler Auswanderer.

Auch setzt man auf die Vermarktung australischen Lamm- und Schaffleisches. Ferner findet die Haut, das Fell des Schafes nicht nur im Wollebereich seine Verwendung. Aus dem Lammfell wird seit etlichen Jahren Leder für Stiefel und Schuhe hergestellt. Ugg Schuhe, Wohlfühlstiefel, sogar zum barfuss tragen im Sommer bestens geeignet das steht für australisches Schafleder. Und ist inzwischen ein Exportschlager.

Bei den Importen nehmen Erzeugnisse des Maschinen- und Anlagenbaues mit einem Anteil von 33% eine dominante Position ein, danach folgen Transportausrüstungen (16%), Chemikalien und Erdölderivate (12%) sowie Rohmetallprodukte (u.a. Stahl, 5%).

Die Weltmarktpreise für die australischen Exportprodukte geraten immer wieder unter Druck und sinken langfristig. Bei den landwirtschaftlichen Produkten wird das mitverursacht durch Subventionen, die in der EU und in den USA üblich sind. Ganz anders ist die Situation bei den Importprodukten, hier steigen die Preise langfristig. Aufgrund dieser Preisverschiebungen entwickeln sich beim Vergleich der Import- und Exportprodukte die "terms of trade" für Australien nicht günstig. Um eine ausgeglichene Handelsbilanz zu erreichen, müssen immer größere Mengen bergbaulicher und aggrarwirtschaftlicher Produkte exportiert werden.

Die bedeutendsten Handelspartner Australiens sind Japan mit einem Anteil von 27% am gesamten Außenhandelsvolumen, die USA (10%), Südkorea und Singapore (6%), Neuseeland (5%) und Deutschland (2%).

Wachstumstendenzen zeigt allein der Dienstleistungssektor. In Australien lag der Anteil der Beschäftigten in dieser Branche bereits 1960 bei 58%, stieg dann bis 1980 auf 73% und liegt inzwischen bei über 75%.

Der Tourismus ist mit all seinen Bereichen (Fluglinien, Reiseveranstalter, Hotels, Gaststätten usw.) der größte Arbeitgeber des Landes (ca. 500.000 Beschäftigte) und der Wirtschaftssektor mit den höchsten Steigerungsraten. Im Jahr 1996 kamen 3,5 Mio. Besucher (darunter rund 125.000 aus Deutschland) auf den roten Kontinent. Jährliche Steigerungsraten sind fest eingeplant. Die touristischen Gesamterträge lagen bei rund 10 Mrd. A$ und waren im Rechnungsjahr 1995/96 die größte Devisenquelle des Landes. Australien erhofft sich in den nächsten Jahren eine Vervielfachung der Erträge und rechnet mit ca. 6 Mio. Besucher jährlich, mittel- und langfristige Prognosen sind noch optimistischer. Zumindest in den letzten Jahren waren diese Prognosen keine solide Basis, da sie regelmäßig von der Realität eingeholt wurden. Das Tourism Forecasting Council (TFC) hat seine neue Vorhersage zu den Besucherzahlen für Australien veröffentlicht und rechnet im Jahr 2003 mit 4,6 Mio. internationalen Besuchern in Australien, was einen Rückgang um 5,3% bedeuten würde. Für das Jahr 2004 prognostiziert das TFC ein Wachstum um satte 9,8% und damit das Durchbrechen der Marke von 5 Millionen internationalen Besuchern.

Trotz der Beteuerung der Tourismus-Manager, alles im Rahmen der Umweltverträglichkeit Nötige zu tun, geben die geplanten Besucherzahlen Anlass zum Nachdenken. Zum Beispiel ist das Great Barrier Reef durch Abwässer und Bootsverkehr schon heute stark belastet. Korallen werden durch Anker und Betreten geschädigt und zerstört. Steigt die Besucherzahl um ein Vielfaches, wird das Achte Weltwunder in seiner Existenz bedroht. Auf Grund dieser Entwicklung stellt die australische Regierung in vielen Bereichen Gelder zur Verfügung, die z.B. Maßnahmen zur Abfallverringerung und Aufklärung über umweltfreundlichen Tourismus umfassen. Auch das Programm zur Förderung und Durchsetzung weiterer geschützter Gebiete (in Form von Nationalparks) soll weiter forciert werden.

Mit einem Wirtschaftswachstum von 2,4% konnte Australien 2001 nicht mehr das Ergebnis der Vorjahre erreichen (2000: 3,2%; 1999: 4,8%), doch lag der Zuwachs des BIP deutlich über dem Durchschnitt aller Industrieländer. Vor allem die Binnennachfrage sorgte dafür, dass der Konjunkturrückgang nicht stärker ausfiel, während der Export Einbußen hinnehmen musste. Unter den hoch entwickelten Industriestaaten hat das Land bis heute am stärksten seinen Charakter als wichtiges Rohstoffexportland behalten. Über 60% der Ausfuhr entfallen auf Agrar- und Bergbauerzeugnisse (Wolle, Fleisch, Weizen bzw. Kohle, Eisenerz, Gold, Bauxit, Erdöl u.a.). Die Wirtschaft ist daher beträchtlich von den entsprechenden Weltmarktpreisen abhängig, die 2001 überwiegend zurückgingen. Ebenso ungünstig erwies sich die starke Handelsverflechtung einerseits mit den USA, andererseits mit Japan und anderen Ländern Ost- und Südostasiens. Die Konjunkturprobleme dieser Staaten wirkten sich auch negativ auf die australischen Exportmöglichkeiten aus. Günstig machten sich die in den letzten Jahren erfolgte Modernisierung und Diversifizierung der Industrie bemerkbar. Ihre Produktion wuchs 2001 um rund 3,0% (Maschinenbau, Computertechnologie, Fahrzeugindustrie, Rohstoffverarbeitung u.a.), und ihr Anteil am Export nahm zu. Keine Erfolge brachten die Bemühungen der Regierung um eine Verringerung der hohen Arbeitslosigkeit; sie stieg von 6,3 (2000) auf 6,7% an. Günstiger entwickelte sich die Inflationsrate, die von 4,3 (2000) auf 3,2% (2001) fiel.

Die australische Wirtschaft kann auch 2003 und damit im zwölften Jahr in Folge ein Wachstum verzeichnen. Nach einem Wachstum von 3,75% (2003/04) wird für 2004/05 ein Wachstum von 3,5% erwartet. Auch die weiteren Konjunkturdaten sind ermutigend: Die Arbeitslosenrate liegt bei 5,7% und ist damit auf dem niedrigsten Stand seit 23 Jahren. Inflationsrate und Zinsniveau sind niedrig. Der neue Haushalt sieht ein weiteres Mal einen Überschuss vor. Die Staatsverschuldung ist fast völlig abgebaut.

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