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Australien-Panorama

Aborigines

Kultur und Sprache

Felsmalerei am Nourlangie Rock - Kakadu NP
Felsmalerei am Nourlangie Rock - Kakadu NP

Die Kunst der Aborigines zeigt sich im Schnitzen, Gravieren, Steinritzungen, Felsbildern, Rindengefäßen, Seelenhölzern "Tjuringas" (Churingas bzw. Tjurungas) sowie anderen Kultobjekten. Diese Kunstwerke wurden vor allem an den heiligen Stätten der Ureinwohner, also Naturerscheinungen wie Riesenfelsen, Quellen oder Höhlen, angebracht. Die geometrischen Muster, die in nahezu unendlichen Variationen Bumerangs, Speere, Tjuringas und Felsenwände schmücken, sind als Abbild der Gesangszyklen und magischen Verse zu verstehen, mit denen die Botschaften der Traumzeit verschlüsselt wurden. Solche Verse und Gesänge begleiteten auch die Herstellung der Kunstwerke.

Typisch ist die Darstellung von Tieren, Geistern und Jagdszenen. Im Röntgenstil (Northern-Territory) werden auch Personen und Tiere als transparente Körper mitsamt Organen und Skelett wiedergegeben. Riesige Felsmalereien in Höhlen und Felsvorsprüngen stellen Urzeitwesen (Wandjinas mit mundlosen Gesichtern) oder Regenbogenschlangen (Ungud, Erschafferin alles Lebendigen und Ursache von Regen und Fruchtbarkeit) dar. Gemalt wurde mit gelben und roten (Ockererde), schwarzen (Holzkohlenstaub) und weißen (Tonerde) Farben. Viele Felsbilder wurden und werden zum Teil noch heute, in jährlichen, rituellen Handlungen erneuert.

Gefühle und Erlebnisse werden bei den Aborigines durch Musik und Tanz (Coroboree) ausgedrückt. Auch die Geschichten der Traumzeit wurden nur mündlich, oft durch Gesang weitergegeben - ein Grund dafür, dass immer mehr Geschichten für immer verloren gehen. Die Melodien klingen für unsere Ohren oft monoton, sei es durch die vielen Wiederholungen oder durch die Rhythmusinstrumente (Didjeridus). Didjeridus sind 1-2 m lange Blasrohre, die aus hohlen Eucalyptusstämmen gefertigt werden. Die hohl klingenden Töne werden durch Atmungstechnik und Lippenbewegungen variiert. Schlaghölzer werden gegeneinander oder an das Didjeridu geschlagen und bestimmen den Rhythmus. Das Schwirrholz (Bullroarer) wird bei festlichen Anlässen an einer Schnur über den Kopf geschwungen und erzeugt einen heulenden Ton.

Man nimmt an, dass es einmal 250 verschiedene Sprachen gab. Diese verwirrende Vielfalt erklärt sich u.a. durch die zeitlich unterschiedliche Zuwanderung. Südliche Stämme sind älter als Neuzugewanderte Stämme im Norden. Mit der fortschreitenden Kolonialisierung gingen jedoch über 100 dieser Sprachen verloren. Auf der Suche nach ihren Wurzeln beschäftigen sich inzwischen viele Stämme der Aborigines intensiv auch mit der Sprache ihrer Urahnen, ganz besonders im Bundesstaat Northern Territory. In Schulen gibt es zweisprachige Klassen, wo die Kinder Unterricht in Englisch und einer Ureinwohnersprache haben. Die Sprachen selbst sind und waren außerordentlich komplex. Die Aborigines gebrauchen z.B. Dutzende von Ausdrücken, um die Tageszeiten wiederzugeben. Für Außenstehende ist das Erlernen der Sprache sehr schwierig, allein schon, weil die vielsilbigen Wörter schwer auszusprechen sind. Die Northern Territory University bietet die Möglichkeit an offenen interaktiven Online-Sprachkursen teilzunehmen, die speziell Kenntnisse zu Sprachen der Ureinwohner aus Nordost-Arnhem Land vermitteln.

Sprachbeispiele:
baapanannia = Sonnenaufgang
booroowal = Tag
chooka-chooka = Traum
doolomai = Gewitter
elleenanaleah = Schönheit
goonagulla = Himmel
hootoworri = Wolke
ilchar-atnitta = Hand
ngingeranggi = Husten
neeyangarra = Adler
thonku mundil = Nacht
wariatanbirik = Hügel
willawatta-thuyi = Frau

Die Aborigines besaßen außergewöhnliche und umfassende Kenntnisse über Pflanzen und deren Nutzung. Das Wissen um Naturheilverfahren und ökologische Zusammenhänge wird seit einigen Jahren von Wissenschaftlern erforscht, leider können nur noch wenige ältere Aborigines ihr Wissen mitteilen. Beim eintreffen der Weißen haben Missionare versucht, die Ureinwohner zum christlichen Glauben zu bekehren. In vielen Fällen gelang dies auch, jedoch ging ihr Glaube an die Naturgötter und die eigene Religion nie verloren. Mit der Aufgabe der Missionsstationen (z.B. 1982 in Hermannsburg/NT) kehrten viele Aborigines in ihre traditionellen Stammesgebiete (Outstations) zurück und leben heute in eigenen Gemeinden, teilweise nach traditionellen Maßstäben.

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Aktualisiert am 26.11.2004